Plötzlich Lehrerin, wie kam es dazu?
- 11. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Bereits vor mehreren Wochen sind Ellen, von More Africa, und ich auf ein weiteres Zentrum mit ähnlichen Kindern gestossen. Dies befindet sich ebenfalls an der Ostküste von Zanzibar, und zwar in Makunduchi. Aus Interesse besuchten wir es bereits zum damaligen Zeitpunkt. Es handelt sich um ein Zentrum für Kinder mit physischer und teilweise auch geistiger Beeinträchtigung. Dieses wurde von einem einheimischen Arzt eröffnet. Der Grund dafür war seine eigene Tochter, die ebenfalls an einer Behinderung leidet. Durch sie wurde ihm bewusst, wie schwierig es für betroffene Familien und deren Kinder ist einen passenden Ort für Therapie und optimale Versorgung zu finden. Er reiste mit seiner Tochter damals sogar mehrmals auf das Festland von Tanzania, wo sie dann für wenige Minuten Therapie erhielt.
Mit dem Ziel Betroffene zu unterstützen, schickte er vier interessierte Junge Frauen in ein Spital in Zanzibar, wo sie die Berufung von Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen lernen sollten. Während sechs Monaten versuchten diese so viel Wissen, wie möglich zu erlernen und zurück nach Makunduchi zu bringen. Wo sie bis heute das Gelernte in Form von Therapie umsetzen.
Als wir das erste Mal zu Besuch waren, viel mir sofort die hohe Anzahl der Kinder und Familien auf. Es handelt sich nämlich um circa fünfzig Betroffene, die im Zentrum zwei Mal die Woche behandelt werden. Deshalb meinte der Arzt sofort, dass er sich über meine und Wizy’s Mithilfe freuen würde und die Frauen auch noch zusätzlich etwas lernen könnten. Da es keine Schule ist, bot Ellen zusätzlich ein paar wenige Schulplätze für potenzielle Kinder an. In gemeinsamer Absprache mit uns, sollten dies Kinder sein, die ebenfalls unserer Zielgruppe für das Projekt entsprechen. Damit erhofften wir uns einigen Kindern intensive Therapie bei uns sowie ein Lernplatz in einer von Ellen’s Klassen ermöglichen zu können. Damit alle Kinder jedoch von der Zusammenarbeit profitieren können, stimmten wir zu einmal die Woche in ihrem Zentrum die weiteren Kinder zu behandeln und die praktizierenden Frauen zu schulen.
Nach diesem Angebot wollte der Arzt selbst bei More Africa vorbeischauen und sich von den Methoden überzeugen. Nur geschah dies leider trotz mehreren vereinbarten Terminen bis letzte Woche nie. Wir hatten die Hoffnung auf eine Zusammenarbeit bereits aufgegeben und uns auf die Arbeit bei More Africa konzentriert. Doch letzte Woche kam er tatsächlich vorbei und war von der Schule und dem Therapie Angebot sehr positiv überrascht. Daraufhin boten wir ihm dieselben Sachen erneut an und er akzeptierte sie.
In der Schweiz ist das Allgemeinwissen bezüglich des menschlichen Körpers sehr gross. Bereits während unserer Schulzeit lernen wir sehr viel darüber. Jemandem oberflächlich physiotherapeutische Massnahmen zu erklären, erfordert also nicht allzu viel. Hier sieht das ganz anders aus. Deshalb habe ich mich letzte Woche entschieden vor der praktischen Zusammenarbeit mit den Frauen drei Tage lang vor allem theoretische Grundlagen zu unterrichten. Dadurch erspare ich mir während der Arbeit mit den Kindern jedem einzeln dieselben Basics zu erklären. Der Arzt fand dies eine sehr gute Idee, weshalb ich also die letzten drei Tage zur Lehrerin wurde.




Ich überlegte mir gut, wie ich die wichtigsten Sachen vermitteln kann, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Inhalte waren also zum Beispiel was ist ein Knochen, was ist ein Gelenk, was ist ein Muskel, etc. Zudem mussten sie Fähigkeiten wie Koordination, Sensorik, etc. lernen zu verstehen. Die grosse Challenge dabei: das ganze auf Swahili, denn alle vier sprechen kein Wort Englisch. Das gelernte setzten wir dann an einem Morgen anhand der Behandlung von drei Kindern bereits in die Praxis um.









Heute nach den drei Tagen unterrichten, bin ich todmüde, stolz diese Challenge angenommen zu haben und selbst überrascht, dass ich tatsächlich auf Swahili unterrichtet habe und verstanden wurde. Ich freue mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit und bin sehr gespannt, wo es hinführen wird. Ich sehe hier ebenfalls ein grosses Potenzial das Projekt nach meiner Rückkehr in die Schweiz gewissermassen nachhaltig zu machen und einen kleinen Fussabdruck in Zanzibar zu hinterlassen.



Schön, dass nun diese Zusammenarbeit doch noch zustande gekommen ist.
Bravo Saida für deinen grossen Einsatz!